Die Streuobstwiese im Seeland

Die Streuobstwiese ist ein besonderer Lebensraum, weil sie verbindet, was sonst oft getrennt ist: Wald und Wiese. Mit ihren hochstämmigen Obstbäumen steht sie zwischen offenen Flächen und Gehölzen und schafft einen sanften Übergang, in dem sich viele Arten aufhalten. Genau diese Vermittlerrolle macht sie so wertvoll für unsere Landschaft.

In den Baumkronen brüten Vögel, in alten Stammhöhlen finden Fledermäuse und Käfer Unterschlupf, am Stamm klettern Insekten und Moose, darunter wächst eine artenreiche Wiese mit Blumen und Gräsern. Die Streuobstwiese besteht aus mehreren „Stockwerken“, die eng miteinander verzahnt sind. Vier Schichten bestehend aus den unterschiedlichsten Kräutern und Gräsern bieten verschiedensten Wirbeltieren und Insekten Nahrung und Lebensraum. Mit Stamm und Krone der Obstbäume stehen noch zwei weitere Stockwerke oben auf. Dadurch entsteht eine außergewöhnliche Vielfalt, wie man sie heute nur noch selten findet. Viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind genau auf solche Strukturen angewiesen.

Damit diese Vielfalt erhalten bleibt, braucht die Streuobstwiese Pflege. Die Bäume müssen regelmäßig, aber fachgerecht geschnitten werden, damit sie alt werden können und dennoch vital bleiben. Die Wiese wird nur selten gemäht, um die Pflanzenvielfalt zu vergrößern. Auf Dünger und Pestizide wird verzichtet, damit die Wiese artenreich bleibt. Pflege bedeutet hier nicht Kontrolle, sondern Aufmerksamkeit und Geduld.

Der Nutzen ist vielfältig. Tiere finden Nahrung, Schutz und Lebensräume. Für uns Menschen liefert die Streuobstwiese gesundes Obst, oft alter Sorten mit besonderem Geschmack. Sie ist Erholungsraum, Lernort und ein Stück lebendige Kulturlandschaft. Diese besondere Kulturlandschaft zu erhalten, zu schützen und wieder aufzubauen ist nicht nur uns, als Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ein Anliegen, sondern auch dem Land Sachsen- Anhalt. 

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. setzt im Rahmen des GAK-Förderprogramms „Nicht-produktiver investiver Naturschutz“ zwei Projekte um. In den Projekten erfolgt der Grundstückserwerb, die Planung und Neuanlage einer Streuobstwiese mit 122 Bäumen einschließlich einer 4-jährigen Pflege. Diese Maßnahmen werden Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" mit Mitteln von Bund und Land Sachsen-Anhalt finanziert.  Zur Eröffnung der Fläche am 30.10.2024 konnten wir Herrn Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt auf der Fläche begrüßen.

Zu dem übernahm der Regionalpartner ÖSA- Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt die Patenschaft. Sie entwickeln unter dem Namen ÖSA-Obstbiotop die Fläche zu einer Park- und Bildungsfläche für Besucher. Mit einer detaillierten Beschilderung an jedem Baum erfährt der Besucher Wissenswertes zu den einzelnen Sorten. Während der regelmäßigen Arbeitseinsätze der ÖSA-Mitarbeiter entstanden auch neue Sitzgelegenheiten und ein neues Zuhause für Bienenvölker. Die Streuobstwiese im Seeland ist sowohl für die Natur als auch die Menschen vor Ort eine große Bereicherung.

 

 

Farbige Markierungen halfen beim planmäßigen Anpflanzen der Verschiedenen Sorten. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit wurden auch die Markierungspfosten mehrfach verwendet.

Auf der Streuobstwiese wurden verschiedenste Obst-Arten gepflanzt. 60 Apfel, Birnen, Pflaumen und Kirsch-Sorten kamen in die Erde.

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